Playstation Portable – Wunder-Hardware oder großes Fiasko?

Verfasst am 2. September 2005 
Ordner: Videospiele

Seit Dezember 2004 ist die Playstation Portable (kurz: PSP) im Land der aufgehenden Sonne erhältlich und sorgte dort mit großen Lieferschwierigkeiten für Furore. Es waren zu wenig PSPs zum Verkauf bereit und somit mussten tausende Japaner, die stundenlang vor den Kaufhäusern campierten, ohne dieses „coole“ Geräte nach Hause gehen. Das sich so ein Debakel nicht noch einmal in Europa wiederholt vorschob sich der Start vom ursprünglich geplanten März auf den 1. September. Doch Sony hat anscheinend nicht aus ihren Fehlern gelernt: Auch zum heimischen Start waren die „coolen“ PSPs in vielen Geschäften bereits vor dem 1. September vergriffen und es wurden keine Vorbestellungen mehr entgegen genommen. Lasst euch aber nicht entmutigen, denn mit etwas Glück findet ihr in so manchen Videospielläden trotzdem noch immer einige Geräte.

Faktor Style
Fragt man viele PSP-Käufer welche Gründe sie dazu bewegt haben, ca. 250 Euro für eine PSP auszugeben, kommt oftmals das Argument „Sie sieht gut aus“ auf. Deshalb habe ich bewusst in der Einleitung dieses Berichts einige male das Adjektiv „COOL“ benutzt um euch klar zu machen, dass der Erfolg der Marke „Playstation“ in großen Teilen von dem Coolness-Faktor abhängt. Durch die Mundpropaganda unter Freunden und Bekannten werden die Argumente „Grafik“ und „Aussehen“ durch’s Land getragen und in kürzester Zeit weiß jeder Jugendliche/junger Erwachsener über die Vorzüge einer PSP Bescheid ohne das Sony auch nur ein wenig Geld in Werbung investiert hat. Hype ist das Stichwort für Marketing in der Gegenwart und Zukunft. Also informiert euch selbst über das Internet oder Magazine, aber fallt nicht auf so genannte „Hypes“ rein.

Hardware und Grafik
Ein weiters Argument, welches immer wieder genannt wird ist die Grafik, welche sicherlich sehr gut für einen Handheld ist. Ein 333 MHz Prozessor, 32 MB Hauptspeicher, 4 MB Embedded DRAM, und ein Grafik- sowie ein Soundchip sorgen für beinahe-PS2-Grafik auf dem brillanten 16:9 Display. Doch WARUM 250 Euro für dieses Gerät ausgeben wenn man sogar stärkere Grafik auf einem viel größerem Fernseher und einer größeren Spieleauswahl auf der PS2 Spielen kann? Diese Frage stelle ich mir immer wieder wenn viele Leute von den Grafik-Fähigkeiten der PSP schwärmen. Falls ihr Lust habt könnt ihr eure Argumente per Kommentar gleich an diese Artikel anhängen. Ich würde mich freuen!

Die PSP als Spielemaschine?
Kommen wir jetzt zu den Key-Features der PSP (Games, Photos, Musik, Video), welche ich nacheinander mit den Überschriften „Die PSP als ………“ einleite. Schon alleine diese Titel sollen andeuten das die PSP für mich ein Alles-in-Einem-Gerät ist. Leider werden hierbei keine Prioritäten gesetzt, sodass keines der Features wirklich zur Geltung kommt und alles halbherzig umgesetzt ist.

Der erste Bereich, den ich vorstelle, ist das Spielen: Die Playstation Portable spielt Games ab, welche auf einer UMD gespeichert werden. Im Gegensatz zum Konkurrenten Nintendo DS benötigt man zum Speichern einen Memory Stick Pro Duo, der aber zum Glück schon im normalen „Value Pack“ beigelegt ist. Die PSP-Hardware unterstützt die Spiele mit einer genialen Grafik, jedoch bleibt leider die Innovation auf der Strecke. Viele der Spielkonzepte gab es in ähnlicher Form auch schon für die stationäre Konsole von Sony, sodass man sich wieder fragen muss: wozu eine PSP?
Es gibt aber auch positive Überraschungen wie zum Beispiel Lumines, dass es noch nie in einer ähnlichen Form gegeben hat.

Die PSP als Photobetrachter?
Bei der Photo-Betrachungs-Funktion muss ich jedes Mal ein wenig schmunzeln. Warum soll man sich Photos auf dem mehr oder weniger kleinen Display der PSP anschauen, wenn man es auch auf einem größeren Computer Bildschirm machen kann? Die einzige plausible Antwort ist, um die Photos unterwegs Freunden zu zeigen. Trotzdem stellt es für mich keinen wirklichen Kaufgrund dar, denn wie oft kommt es zu dieser Situation?

Die PSP als Musikplayer?
Alle Musikliebhaber müssen nämlich bei der PSP noch einmal deutlich die Geldbörse strapazieren, weil Sony leider nur einen 32 MB großen Memory Stick Pro Duo im Standard Value-Pack beilegt. Auf diesen passen aber nur 7-9 Songs (bei einer Bitrate von 128kBit/s), was für einen MP3 Player in der heutigen Zeit viel zu wenig ist. Deswegen muss man für anständigen Musikgenuss rund zusätzlich 50-60 € für eine 512 MB große Speicherkarte berappen. Hinzu kommt noch das Argument der Größe: Die PSP ist im Gegensatz zu Konkurrenz-Playern wie zum Beispiel den “Acer Advanced” mit 512 GB (ca. 50 €) viel zu groß für die Jacken oder Hosentasche und das brillante Display ist zusätzlich noch Kratzern und Schrammen ausgesetzt. Bei diesem Punkt erkennt sogar ein Blinder mit Krückstock, dass das „Multimedia-Wunder“ wie es von Sony oft angepriesen wird, für den realen Einsatz mehr schlecht als recht konstruiert wurde.

Die PSP als Videoplayer?
Leider ist auch die letzte Funktion die ich hier beschreibe nicht so, wie viele vermuten wenn sie das große 16:9 Widescreen Display sehen auf dem man eigentlich gut Filme schauen könnte. Aber auch hier gibt es einige Kritikpunkte, die den Film-Spaß auf ein Minimum verkleinern:
Auf der PSP gibt es generell zwei Möglichkeiten zur Filmwiedergabe – Filme auf einem Memory Stick Pro Duo und Filme auf einer UMD (Universal Media Disk). Bei Ersterem fallt wieder das Problem mit den teuren Speicherkarten an und die UMD-Methode hat den Nachteil das man sich jeden Film wie eine DVD im Geschäft teuer kaufen muss. Dabei gilt aber nicht die normale Schlussfolgerung weniger Features, kleinere Auflösung  kleinerer Kaufpreis, sondern sogar eine Preissteigerung. Ja, richtig Verstanden! Für einen UMD-Film „blecht“ man im Geschäft zwischen 20 und 25€ und bekommt dafür wenig bis keine Features wie Interviews oder nicht verwendete Szenen und die Auflösung ist auch bedeutend kleiner als die einer DVD. Des Weiteren lässt sich eine UMD derzeit NUR auf dem Handheld von Sony abspielen und man kann sie nicht auf dem Fernseher genießen. Soviel zum Thema Videoplayer!

Schlusswort
Alles in allem ist die Playstation Portable dennoch ein akzeptables Spielegerät auch wenn die man das Haus nicht ohne Netzkabel oder Ersatzakku verlassen darf. Bei den Multimedia-Fähigkeiten kann sie jedoch nicht auftrumpfen und verspielt den „großen“ Vorteil sehr schnell – Zum Leidwesen der Besitzer die ca. 250 € dafür gezahlt haben. Weiters lassen die wirklichen, auf Mainstream gedrillten Spielegranaten wie GTA noch auf sich warten und Knaller wie Lumines werden wegen ihrer Ausgefallenheit nicht von der Masse angenommen. Schade. Wer etwas auf sich hält und bewusst neuen Wind im Spielegeschäft erleben möchte kann getrost zu Nintendos Handheld – dem Nintendo DS – greifen.

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